Interaktiver Spaziergang "Zeugen der Hanse in Riga"

Interaktiver Spaziergang
Informationen zur Veranstaltung

Seit der Hansezeit hat sich die Bebauung der Altstadt komplett verändert, dennoch weist die Stadt noch Zeugnisse auf, die an die Zeiten des Freihandels und der Kaufleute in unserer Stadt erinnern.

Die Route beginnt am Pulverturm (Objekt Nr. 1), führt dann entlang der Straßen Meistaru und Kalēju und biegt in die Teātra-Straße ab und führt den Fußgänger zum Einkaufszentrum „Galerija Centrs“ und Rīdzenes-Straße (Objekt Nr. 2 am Stand des Rigaer Schiffes). Weiter geht man dann in Richtung der Audēju-Straße gehen, biegt dann rechts ab und setzt an der Kreuzung der Audēju- und Kalēju-Straße den Weg entlang der Kalēju-Straße fort. Über diese Straße kommt der Fußgänger zum Albert-Platz (Objekt Nr. 3). Vom Albert-Platz führt die Route entlang der Alksnāja-Straße bis zur Mārstaļu-Straße, wo sie rechts abbiegt und dann weiter zur Skārņu-Straße (Objekt Nr. 4) führt. Danach führt die Straße entlang der Rigaer St. Petri-Kirche (überquert den Reformationsplatz), über die Kungu Straße und kommt zum Rathausplatz (Objekte Nr. 5, 6, 7, 8 und 9). Die Route verläuft weiter entlang der Kalēju-Straße, vorbei am Café „Egle“ bis zur Kaļķu-Straße 2 (Kreuzung der Kaļķu- und Mazā Monētu-Straße, Objekt Nr. 10). Anschließend führt sie entlang der Mazā Monētu-Straße bis zur Šķūņu Straße, biegt links ab, dann rechts in die Amatu Straße (Objekte Nr. 11, 12), dann links in die Meistaru Straße, dann links in die Zirgu Straße (Straße zwischen der Großen Gilde und dem Gebäude des Finanzministeriums). Weiter geht die Route links entlang der Šķūņu Straße, biegt dann rechts in die Tirgoņu-Straße ab und führt bis zur Ecke Tirgoņu- und Krāmu-Straße (Objekt Nr. 13). Dann führt sie an der Krāmu-Straße entlang bis zur Jauniela-Straße und weiter bis zum Domplatz (Objekt Nr. 14). Danach biegt sie in Richtung Herder-Platz ab, verläuft entlang der Mūku- Straße, die sich neben dem Hotel “Gutenbergs” befindet, dann links in die Mazā Muzeja-Straße zur Bīskapa gāte, dann muss man rechts in die Miesnieku-Straße abbiegen. Wenn man dann die Miesnieku Straße entlanggeht, die Pils Straße überquert und dann rechts abbiegt, ist das Objekt Nr. 15 sichtbar. Danach führt die Route entlang der Mazā Pils Straße bis zur Jēkaba ​​​​Straße, wo man links abbiegen und zur Mazā Trokšņu Straße gehen muss, die bis zur Aldaru Straße (Objekt Nr. 16) führt. Die Route verläuft dann durch das Schwedentor, biegt rechts in die Torņa-Straße ein, dann entlang dem Bastejkalns und dem Café "Sala" und überquert die Kanalbrücke. Weiter sollte man sich rechts halten, entlang der Reimersa Straße (zwischen dem Grand Poet Hotel und dem Museum der Besetzung Lettlands) bis zum Kalpaka Boulevard. Wenn man jetzt links abbiegt, läuft man direkt bis zur Akademie der Künste Lettland (Objekt Nr. 17). Danach führt die Route über den Kalpaka Boulevard vorbei an der russischen Botschaft bis zur Kreuzung der Straßen Elizabetes und Strēlnieku. Weiter muss man entlang der Strēlnieku Straße bis zum Lettischen Feuerwehrmuseum gehen, dann die Hanzas Straße überqueren (Objekt Nr. 18). Entlang der Hanzas Straße erreicht man dann den Konzertsaal "Hanzas Perons" (Objekt Nr. 19).

Insgesamt 5,26 km.

Sehen Sie die Karte HIER.

Heute unterstreicht fast jede europäische Stadt, die im Mittelalter Teil des Wirtschafts- und Kulturraums der Hanse war, die Bedeutung der Hanse in der Geschichte ihrer Stadt. Die Hanse und der hanseatische Bund sind Begriffe, mit denen heute auch lettische Städte assoziiert werden.

Die Hanse ist eines der ausgeprägtesten Symbole der westlichen Orientierung Lettlands. Dank der Hanse, ihren Kaufleuten und der Verbreitung der Hansekultur wurde Livland tatsächlich den intensiven und bedeutsamen Prozessen des westeuropäischen Kulturraums „angegliedert“. Die Hanse ist nicht nur der deutsche Nachlass, sondern auch ein Teil des lettischen Nachlasses und von großer Bedeutung. Nicht umsonst beschreibt ein Abzählreim aus der Hansezeit neben den anderen Städten auch Riga als ausgezeichnet –

  • “Lübeck ist ein Warenhaus.
  • Köln ist ein Weinhaus.
  • Braunschweig ist ein Waffenhaus.
  • Danzig ist ein Getreidehaus.
  • Hamburg ist ein Bierhaus.
  • Magdeburg ist ein Brothaus.
  • Rostock ist ein Malzhaus.
  • Lüneburg ist ein Salzhaus.
  • Stettin ist ein Fischhaus.
  • Riga ist ein Hanf- und Butterhaus.
  • Revel ist ein Wachs- und Leinenhaus.
  • Krakau ist ein Kupferhaus.
  • Visby ist ein Pech- und Teerhaus”.

Es mag den Anschein haben, dass die hanseatische Präsenz in Riga heute nicht mehr zu spüren ist. Sie ist jedoch unter einer dicken, jahrhundertealten Kulturschicht verborgen, deren Aufdeckung die Aufgabe von Historikern, Archäologen und Architekten ist. Die im Rahmen des Rigaer Festivals und der 41. Internationalen Hansetage vorbereitete Wanderroute führt entlang einiger Fußstapfen der Hanse in Riga und lädt dazu ein, die im Alltag so gewohnten Orte anders zu betrachten und den Widerhall der scheinbar vergessenen Hanse in Riga zu sehen.

Nr. 1. FLUSS RĪDZENE

Der heute verschwundene Fluss Rīdzene war wichtig in der Geschichte der Stadt Riga. Zusammen mit der Daugava bildete er die natürliche Verteidigungslinie der Stadt, die gleichzeitig die Ansiedlung von Liven und deutschen Kreuzfahrern in der Nähe von Rīdzene ermöglichte, sowie den alten Hafen von Riga bildete, wo die ersten hansischen Handelsschiffe in Riga anlegten.

Historisch gesehen floss der Fluss in der Altstadt vom Pulverturm entlang der Meistaru-Straße, über den Livu-Platz, entlang der Kalēju- und Minsterejas-Straße (das andere Ufer auf der Rihards Vāgnera- und Rīdzenes-Straße) bis er zwischen dem heutigen Künstlerhaus und dem Wellton Riverside Spa-Hotel in die Daugava mündete.

Als die Stadt wuchs, wurde der Fluss allmählich schmaler gemacht. Im 17. Jahrhundert, als  mit dem Bau der neuen Wälle der Rigaer Festung begonnen wurde, wurde der Fluss Rīdzene zu einem Graben mit stehendem Wasser, der schnell versandete.  Das stehende und stark verschmutzte Wasser verursachte in der Altstadt periodisch schwere Cholera-Epidemien, so dass der Graben nach und nach zugeschüttet wurde, vollständig wurde das in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts getan. Heutzutage zeugen nicht nur die erwähnten Straßen, sondern auch das Muster des Bürgersteigs und der Grünanlagen des Livu-Platzes vom Fluss Rīdzene in der Altstadt – es ist in einem wellenförmigen Stil gehalten.

Nr. 2. RIGAER SCHIFFE

Während der Hanse war die Kogge das beliebteste Handelsschiff. Sein großer Vorteil lag in der Konstruktion des Schiffes, denn es hatte einen flachen Boden, geringen Tiefgang, gute Manövrierfähigkeit und eine Tragfähigkeit von bis zu 200 Tonnen, wodurch die Güter auch in flacheren Gewässern transportiert werden konnten. Später, zur Jahrhundertwende vom 15. –16. Jhs. wurden die Koggen allmählich durch Holken ersetzt.

Wie andere Schiffe der Hansestädte hatten auch die Schiffe von Riga ein eigenes Erkennungszeichen – die Flagge. Bis zum 16. Jahrhundert war sie schwarz mit einem roten Kreuz, um die Jahrhundertwende des 16. –17. Jhs. blau mit einem gelben Kreuz, seit 1673 aber ist sie so wie sie heute ist – blau-weiß. Im 20. Jh. wurden an der Rīdzene-Flussroute mehrmals archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden drei versunkene Schiffe, bekannt als "Riga-Schiffe", gefunden. Das am besten Erhaltene wurde 1939 gefunden, aber es brannte während des Zweiten Weltkrieges ab. Von diesem Schiff, das seinem Aufbau nach der Kogge ähnlich war, sind bis heute nur Bug, Heck und Kiel erhalten.

Nr. 3. HAFEN VON RĪDZENE

Am Ort, wo sich heute der Alberta-Platz befindet, schlängelte sich der Fluss Rīdzene und machte einen Bogen in Richtung zur Daugava, wobei der 30 – 50 Meter breite und 4–5 Meter tiefe Rīdzene-See auf der Route der heutigen Straße des 13. Januars entstand.

In der Umgebung des Alberta-Platzes am Ufer des Rigaer Sees befand sich der alte Hafen von Riga, der bis zum Ende des 14. Jahrhunderts auch von hanseatischen Kaufleuten genutzt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde der Hafen auf das Ufer der Daugava verlegt, wo er bis 1944 blieb.

Die Verlegung des Hafens erfolgte hauptsächlich aus zwei zusammenhängenden Gründen. Durch die regelmäßige Verstärkung und Instandsetzung der Anlegestellen und der Uferlinie wurde der See allmählich schmaler. Für hanseatische Handelsschiffe war er nicht mehr geeignet, da er so schmal geworden war, dass die Schiffe nicht wenden konnten. 
Der alte Hafen von Riga wurde sogar bis zum Anfang des 17. Jhs. als Anlegestelle für Boote und Lastkähne sowie als kleiner Winterhafen genutzt.

Nr. 4. ST. JOHANNIS-KIRCHE UND ST. GEORGS-KIRCHE VON RIGA

Die Skārņu-Straße ist eine der Straßen, die in der mittelalterlichen Geschichte von Riga besonders wichtig sind. Hier entstand das erste „deutsche“ Mauerwerk in Riga, denn an der Stelle der St.-Georgs-Kirche stand einst die erste Burg des Schwertbrüderordens, aber an der Stelle der St.-Johannis-Kirche – die erste Bischofsburg in Riga. Auf das Gelände zwischen den beiden Kirchen zog im 14. Jh. der Konvent zum Heiligen Geist um.

Wenn in der Architektur der St. Johannis - Kirche und der gegenüber liegenden St. Petri-Kirche die Einflüsse der Architektur der Hansestädte Norddeutschlands oder der Backsteingotik zu beobachten sind, dann ist sie bei der St.-Georgs-Kirche nicht zu bemerken.  Dies lässt sich damit erklären, dass die Kirche mehrmals umgebaut wurde, bis sie zur Jahrhundertwende des 17.–18. Jhs. vollständig an die Bedürfnisse des Lagers angepasst wurde. Heute, seit 1989, ist hier das Museum für dekorative Kunst und Design untergebracht. Im Gegenzug wurde die St. Johannis-Kirche im 13.–14. Jh. erbaut, wurde aber ernsthaft im 15.-16 Jahrhundert umgebaut, als die Kirche an der Westfassade einen eindrucksvollen und prachtvollen mehrstöckigen Giebel erhielt, der vom Stil der Hansestädte beeinflusst war.

Im Kontext der Hanse ist die Skārņu-Straße auch insofern von Bedeutung, dass sich zwischen der Skārņu-Straße und der St. Petri-Kirche der erste Marktplatz der Stadt befand.

Nr. 5. RATHAUSPLATZ

Der neue Marktplatz, der heute als der Rathausplatz bekannt ist, befand sich hier seit mindestens 1339. Er wurde wie auch in anderen Hansestädten schnell zum Zentrum des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Auf dem Marktplatz wurden Waren gekauft und verkauft, einschließlich Waren, die von hanseatischen Händlern eingeführt wurden – Salz, Gewürze, Stoffe, Metalle und deren Erzeugnisse, verschiedenes Geschirr sowie Glas, Papier, Wein, Bier usw. Der Marktplatz diente nicht nur als Handelszentrum, er war auch ein öffentliches Zentrum, hier wurde Theater gespielt, die wichtigsten Entscheidungen des Rathauses wurden verkündet, diverse Geschäfte wurden abgeschlossen, verschiedene Festumzüge fanden statt usw. Allmählich entstanden um den Marktplatz herum immer mehr Gebäude, die den früher weiten Platz nach und nach verengten.  Daher wurde der Marktplatz erneut verlegt, diesmal noch näher an die Daugava und den Hafen von Riga – auf das Ufer. Dort befand sich der Markt mindestens vom Jahr 1571 bis in die 30er Jahre des 20. Jhs.

Nr. 6. ROLANDSTATUE

Die Aufstellung von Rolandstatuen in Innenstädten ist vor allem für Hansestädte typisch. Es wird angenommen, dass die Rolandstatue die Unabhängigkeit der Stadt mit Handels- und Justizrechten symbolisierte. Das Aufstellen von Statuen in den Hansestädten gewann im 14. und 15. Jh. an Popularität, und Riga war keine Ausnahme. Die Rolandstatue steht mindestens seit 1412–1413 am Rathaus. Im Jahr 1474 wurde sie durch eine neue ersetzt, die vom Rigaer Holzschnitzer Jakob hergestellt wurde. Beide Statuen wurden aus Holz gefertigt, sind aber bis heute nicht erhalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als in Europa das wissenschaftliche Interesse an der hansischen und mittelalterlichen Geschichte wuchs, wurden die verlorenen Rolandstatuen aufgrund ihrer historischen Tradition vielerorts restauriert und erneuert. Auch in Riga wurde die Rolandstatue erneuert, die 1896 von A. Folz aus Sandstein gefertigt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges litt die Statue, jetzt befindet sie sich in der St. Petri-Kirche, auf dem Rathausplatz wurde eine Kopie aufgestellt.

Nr. 7. DAS RATHAUS

Der Rigaer Stadtrat verwaltete alle Prozesse in der Stadt, kümmerte sich um die Befestigungen der Stadt, erhob Steuern und schloss diplomatische Vereinbarungen ab. Mit der wachsenden Bedeutung und dem Einfluss der Kaufleute im Leben der Stadt nahmen auch Vertreter der Großen Gilde, deren Meinung wichtig war, an den Ratssitzungen teil. Außerdem waren die Mitglieder der Gilde oft gleichzeitig selbst Ratsherren. Der Stadtrat war auch in Überseehandelsprozesse involviert.

Die Hansetage fanden am häufigsten in Lübeck statt, wo für die Union wichtige Entscheidungen und Vereinbarungen getroffen wurden. Die getroffenen Entscheidungen wurden in einem offiziellen Dokument oder einer Rezession festgehalten, deren Kopien den Stadträten zugestellt wurden. Die getroffenen Beschlüsse wurden erst nach Zustimmung des Stadtrates wirksam. Waren die Ratsherren der Ansicht, dass die Entscheidung nicht im Interesse der Stadt lag, wurde ihr nicht Folge geleistet.

Gegen die Stadt und ihre Händler wurden keine direkten Sanktionen verhängt, wenn sie an den Treffen nicht teilnahmen und sich weigerten, ihre Entscheidungen zu bestätigen. Die Entsendung der Stadtdelegierten zu Hansetreffen war teuer, weshalb nur die Ratsherren der größten, handelsaktiven Städte teilnahmen.

Nr. 8. DAS WÄGEHAUS

Ein wesentlicher Bestandteil des Marktplatzes war das Wägehaus. Darin wurden alle Waren, die in die Stadt eingeführt oder daraus ausgeführt wurden, gewogen, gemessen und genehmigt.  Allerdings waren die Maße und Volumina in der Hanse nicht überall gleich, oft war nur der Name gleich. So war zum Beispiel die Elle, das Maß von Tuch, in Lübeck und Riga unterschiedlich – in Lübeck war sie ca. 57 cm lang, in Riga aber nur ca. 53 cm. Aus diesem Grund war das Wägehaus wichtig - es erfasste verschiedene Messungen in Bezug auf die Gewichts- und Maßstandards von Riga und schützte so Händler und Käufer vor Betrug.

Im Rigaer Handel waren die größten Gewichte ein Schiffpfund (ca. 167 kg) und eine Last (ca. 2052 kg), was theoretisch in allen Hansestädten gleich war. In diesen Maßen wurden die wichtigsten Exportgüter Rigas, wie Flachs, Hanf, Wachs, Kerzenfett usw. gemessen, aber es gab auch kleinere Maße für Gewicht, Länge und Volumen. Im Mittelalter befand sich das Wägehaus wahrscheinlich neben dem Schwarzhäupterhaus auf der linken Seite, aber es ist sicher, dass es später an der Stelle errichtet wurde, an der sich heute das Ende des alten Gebäudes des Lettischen Besatzungsmuseums befindet.

Nr. 9. DAS SCHWARZHÄUPTERHAUS

Das Schwarzhäupterhaus oder das Neue Haus wurde in den 30er Jahren des 14. Jhs. vom Rigaer Stadtrat gebaut. Das Gebäude wurde von verschiedenen Organisationen in ihrem öffentlichen Leben genutzt – von der Großen Gilde und der im Jahr 1416 gegründeten  Schwarzhäupterbruderschaft, die unverheiratete ausländische Kaufleute, Goldschmiede und Seeleute vereinigte. Das neue Haus wurde erst Ende des 17. Jhs. Schwarzhäupterhaus genannt, als die Bruderschaft der Schwarzhäupter der einzige Mieter des Gebäudes wurde, das Haus jedoch 1713 erwarb.  Neben der Funktion als Zentrum des öffentlichen Lebens war das Haus auch ein Lagerhaus, denn im Untergeschoss und in den letzten Stockwerken lagerten Kaufleute der Bruderschaft ihre Waren.

Die Architektur des Schwarzhäupterhauses entspricht vollkommen dem Stil öffentlicher Bauten in den Hansestädten Norddeutschlands, auch hier kommt die Backsteingotik zum Einsatz. Das Haus wurde mehrmals umgebaut und verbessert, sodass auch andere Baustile darin zu sehen sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schwarzhäupterhaus zerstört und die restlichen Mauern abgerissen. Anfang der 90er Jahre des 20. Jhs. wurden auf dem Territorium des Gebäudes umfangreiche archäologische Ausgrabungen durchgeführt, aber das Haus wurde Ende des Jahrzehnts restauriert, um einen einst in seine Mauern geschriebenen Wunsch zu erfüllen – “Sollt ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder.”

Nr. 10. RIGAER MÜNZSCHMIEDE

Die Abrechnung für Waren war im gesamten Hanse-Wirtschaftsraum nicht gleich. Die wichtigsten Hansestädte Norddeutschlands bildeten den Münzverein Vendin (1379–1569), der nach einem System geprägte Münzen verwendete. Sie wurden hauptsächlich für Abrechnungen innerhalb der Union und mit Mittelmeerhändlern verwendet.

Im Gegensatz dazu bezahlten hanseatische Kaufleute im Handel mit Livland ihre Waren weiterhin im Tausch, obwohl sich bereits um die Jahrhundertwende des 14.–15. Jhs. Livland tatsächlich an die Vendiner Münzunion anpasste und Lübecker Pfennige prägte, waren diese Münzen für den internen Umlauf und nicht für den Handelsverkehr bestimmt. Später, als der Silberbergbau in Europa zunahm, schlossen hanseatische Händler auch in Livland häufiger große Geschäfte mit Silber nach Gewicht und in seltenen Fällen sogar mit Goldmünzen wie dem holländischen Dukaten und dem deutschen Gulden ab.

Nr. 11. DIE GROSSE GILDE

Im Mittelalter schlossen sich lokale Kaufleute zu besonderen Bruderschaften zusammen, um ihre Interessen und Rechte zu verteidigen. Rigaer Kaufleute vereinten sich in Gilden, der St-Marien-Gilde oder in der Großen Gilde, die seit 1354 zusammen mit dem Rigaer Stadtrat die Hauptorganisation der Stadt war. Alle Entscheidungen über den Handel Rigas (nicht nur mit der Hanse) und die Entwicklung der Stadt wurden in der Münsterstube der Großen Gilde getroffen. Daher kann sie zu Recht als der wichtigste Raum im Mittelalter (nicht nur) in Riga bezeichnet werden.  Auch nach der Hanse verlor die Große Gilde ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss im Stadtleben nicht.

Das heutige Gebäude der Großen Gilde ist eine kapitale Rekonstruktion eines alten Gebäudes, die in der Mitte des 19. Jhs. nach den Plänen des Architekten H. Scheel durchgeführt wurde. Der gewählte neugotische Tudorstil war kein Zufall, denn das Haus wurde im Sinne der wohlhabendsten Baltdeutschen und Zunftmitgliedern der Stadt so restauriert, wie sie es sich als bedeutendes und historisches mittelalterliches Gebäude vorstellten.  Beim Umbau des Hauses blieben nur zwei Räume in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten – die Münsterstube und die sogenannte Brautkammer.

Nr. 12. DIE KLEINE GILDE

Im Mittelalter schlossen sich Handwerker, ähnlich wie lokale Kaufleute, zu Bruderschaften zusammen, um ihre Interessen und Rechte zu verteidigen. Für die lokalen Handwerker von Riga war das die St.-Johann- Gilde oder die Kleine Gilde, die seit 1352 die wichtigste Organisation der Handwerker in Riga wurde.  Zusammen mit der Großen Gilde spielte diese Handwerkerorganisation auch eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen und politischen Leben von Riga.
Solche Handwerkerorganisationen in den Hansestädten, vermutlich auch in Riga, waren im Handel tätig und stellten verschiedene Haushalts- und Luxusartikel für den Export her. Das sogenannte Hanse-Geschirr oder das für norddeutsche Städte typische Geschirr war im gesamten Wirtschafts- und Kulturraum der Hanse weit verbreitet.  Riga war keine Ausnahme, wie das die bei archäologischen Ausgrabungen gewonnenen Gegenstände belegen. Das heutige Gebäude der Kleinen Gilde wurde in den 60er Jahren des 19. Jhs. nach dem Entwurf des Architekten J. D. Felsko nach dem Vorbild des Umbaus der Großen Gilde errichtet.

Nr. 13. WEINKELLER DES RIGAER RATHAUSES

Wein war in Nordeuropa ein exklusives und teures Gut. In Riga wurde er aus dem Rheinland, Frankreich, Italien usw. importiert. Ratsherren brachten Wein beim festlichen Essen auf den Tisch, als wichtige Ereignisse und Entscheidungen gefeiert wurden. In mittelalterlichen Städten besaßen die Stadträte Weinkeller, in denen der von den Stadträten gekaufte Wein gelagert wurde. Der Rigaer Stadtrat war keine Ausnahme, und es ist bekannt, dass er mindestens seit 1293 einen solchen Keller besaß, aber an der Kreuzung der Straßen Tirgoņu und Krāmu befand er sich mindestens seit 1334 bis zum Anfang des 17. Jhs., als der Stadtrat den Keller und das Gebäude an einen Bürger von Riga verkaufte. Im 19. Jh. wurde über dem ehemaligen Weinkeller ein Neubau errichtet, der jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg als Brennholzlager genutzt wurde. Während des Krieges wurde dieses Gebäude zerstört und der Keller zugeschüttet, aber in den 60er Jahren des 20. Jhs. bei archäologischen Forschungen ausgegraben. Heute befindet sich das thematische mittelalterliche Restaurant “Rozengrāls” an der Stelle des Weinkellers des Rathauses von Riga.

Nr. 14. RIGAER  DOM

Die Landschaft der Hansestadt war ohne das Hauptkultgebäude der Stadt nicht vorstellbar. Es repräsentierte nicht nur die Zugehörigkeit der Stadt zum christlichen Kulturraum, sondern bestätigte auch ihren Status und Reichtum. Die St. Marienkirche oder Rigaer Dom gilt seit dem 13. Jahrhundert als das beeindruckendste architektonische Wahrzeichen der Stadt. Der Bau der Kirche begann spätestens 1211 und bildete als Bischofsresidenz zusammen mit dem Klostergebäude einen Komplex, der die geistliche und weltliche Autorität über die Geschehnisse in der Stadt verkörperte. In der Hanse war der prachtvolle Lübecker Dom ein Musterbeispiel für religiöse Bauten. Die enge Verbundenheit Rigas mit dieser führenden Hansestadt spiegelte sich auch in der Architektur wider, indem man die Ähnlichkeit des Grundrisses und der technischen Lösung des Rigaer Doms mit dem Lübecker Dom wählte. Die geplante Turmspitze zweier Türme in Riga, ähnlich dem Lübecker Dom, blieb nur in den Plänen der Architekten erhalten. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Rigaer Dom umgebaut und restauriert, hat aber immer seine alten architektonischen Merkmale bewahrt, die in der Geschichte Rigas direkt mit der Hansezeit verbunden sind.

Nr. 15. DER ÄLTESTE DER "DREI BRÜDER"

Wohnhäuser im gotischen Stil waren in den Hansestädten Nordeuropas üblich. Kennzeichen der gotischen Architektur waren der mehrstufige Giebel, der Spitzbogen an der Hausfassade (Nischen und Türen) sowie die schmalen Fenster und die große Fassade. Ein wichtiger Botschafter über das mittelalterliche hanseatische Riga ist das Gebäude in der Maza-Pils-Straße 17. Der Bau des Gebäudes begann am Ende des 15. Jahrhunderts, und es ist das älteste steinerne Wohngebäude, das bis heute erhalten ist. Dieses Haus bildet zusammen mit den angrenzenden Häusern ein Wohnensemble „Drei Brüder“, das einen Einblick in die typische mittelalterliche Bebauung gewährt, die auch in anderen großen Hansestädten typisch war – eng benachbarte Gebäude mit in dieser Epoche typischen Fassadenlösung. Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut und es hat in mehreren Generationen einer Bäckerfamilie gehört. Das Haus Nr. 17 in der Mazās Pils-Straße wurde in den 50er Jahren des 20. Jhs. restauriert, als es unter anderem seinen gotischen Giebel an der Fassade des Gebäudes wiedererlangte.

Nr. 16. ALDARU STRASSE

Auch russische Kaufleute, die vor der Hansezeit in der Stadt tätig waren, spielten in der Geschichte Rigas eine wichtige Rolle.  Russische Kaufleute in Riga hatten auch einen eigenen Hof mit Lagerhäusern, Wohn- und Verwaltungsgebäuden und der Kirche St. Nikolaus der Wundertäter. Die Straße, die am Zaun entlangführte, hieß im Mittelalter Russen-Straße (heute Aldaru-Straße). Der russische Hof entstand in der ersten Hälfte des13. Jahrhunderts, als es ein Handelsabkommen zwischen Riga, deutschen und russischen Händlern über freien und gleichberechtigten Handel entlang der gesamten Handelsroute Daugava gab. Nach dem Beitritt Rigas zur Hanse schränkte die Stadt dieses Recht jedoch ein, indem sie als obligatorischer Vermittler deutscher und russischer Kaufleute fungierte. Die Hauptwaren der russischen Händler waren Wachs, Metalle, verschiedene Pelze, Schmuck u.a. Der russische Hof existierte bis zum Jahr 1588, als er liquidiert und außerhalb der Stadtbefestigung verlegt wurde. Bis heute ist das im 15. Jahrhundert gebautes und später umgebautes Gebäude des historischen russischen Hofs in der Aldaru Straße 11 erhalten geblieben.

Nr. 17. DIE KUNSTAKADEMIE VON LETTLAND

In Europa, insbesondere in Deutschland, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das wissenschaftliche Interesse der Historiker über den Hansebund immer größer. Auch die Architekten, die die Neubauten in Anlehnung an die Baustile der Vergangenheit, insbesondere der Gotik, gestalteten, blieben nicht hinterher. Ende des 19. Jahrhunderts plante die Rigaer Börse die Gründung einer neuen Bildungseinrichtung mit kommerzieller Ausrichtung. Den europäischen Tendenzen folgend, sollte das Äußere der neuen Schule symbolisch an die alten Handelstraditionen der Stadt Riga erinnern. Der gewählte Baustil des Gebäudes (neugotisch) und Details, die aus dem einst in den Hansestädten weit verbreiteten roten Backstein waren, verbanden die schnell wachsende moderne Industriestadt mit der Hansezeit in der Geschichte Rigas. Das vom Architekten W. N. Bockslaff entworfene Gebäude diente bis 1915 als Sitz der Handelsschule des Rigaer Börsenvereins. In der Zwischenkriegszeit beherbergte das Gebäude das Deutsche Gymnasium der Stadt Riga, später die Olaw‘s Kommerzschule der Stadt Riga. Seit Oktober 1940 befindet sich in dem Gebäude die Kunstakademie von Lettland.

Nr. 18. HANZAS STRASSE / HANSEPLATZ

Die Epochen änderten sich, aber die Verbindung Rigas zum westlichen Kulturraum, die maßgeblich durch das hanseatische Erbe geprägt wurde, blieb unverändert. Im 19. Jahrhundert gewann das Interesse an der Hansezeit von Riga eine bedeutende Rolle in der Identität der Stadt. Es wurden mittelalterliche Elemente im städtischen Umfeld (die oben erwähnten Gebäude der Großen und Kleinen Gilde) geschaffen sowie verschiedene historische Quellen veröffentlicht.  1901 feierte Riga sein 700-jähriges Jubiläum, während dessen im Norden der Stadt eine neue Straße eröffnet wurde, die den Namen Hanzas-Straße erhalten hatte.

Diese Straße verband das Gelände des Stadthafens mit dem neuen Warenbahnhof von Riga und verband das alte Gewerbe des Seehandels mit der neuen Epoche, nämlich dem Warenverkehr über die Bahn. Neben der Straße in der Nähe des Hafens wurde ein neuer Platz errichtet, der Hanseplatz genannt wurde. Unter diesem Namen existierte es bis 1931, als es in Washington Platz umbenannt wurde, da sich zu dieser Zeit die US-Botschaft in der Nähe befand. Für relativ kurze Zeit funktionierte auch der Hansemarkt am Rigaer Warenbahnhof, der Anfang der 30er Jahre des 20. Jhs. liquidiert wurde.

Nr. 19. “HANZAS PERONS” (“Hanse-Bahnsteig”)

Der Name der Hanse wird, wie in den alten Zeiten von Riga, die Stadt heute und in Zukunft mit den Werten Westeuropas, seinem Wirtschafts- und Kulturraum verbinden. Heute hat das Territorium des ehemaligen Rigaer Güterbahnhofs entlang der Hanzas-Straße bei Stadtplanern, Entwicklern und Stadtverwaltungen einen bedeutsamen Namen „Neue Hanza“ erhalten. Dabei geht es um die Einrichtung eines neuen, modernen und europäischen Wohnraums mit großzügigen Büro- und Wohngebäuden sowie um die kulturellen Aktivitäten. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits unternommen. Das im August 2019 eröffnete Kultur- und Unterhaltungszentrum „Hanzas Perons“ befindet sich in einem Gebäude, das als einziges (Baujahr 1903) aus dem ehemaligen Lagerkomplex des Rigaer Güterbahnhofs erhalten ist. Der Name "Hanzas Perons" (Hanse-Bahnsteig) ist symbolisch und beinhaltet mehrere Begriffe – die Vergangenheit, Gegenwart und den Weg in die Zukunft von Riga.

Das Material wurde von Rūta Sauja in Zusammenarbeit mit dem Lettischen Nationalmuseum für Geschichte und dem Historiker Mārtiņš Vāveris erstellt.

Besucher bitte beachten

Während der Veranstaltung wird fotografiert und gefilmt. Mit der Teilnahme an der Veranstaltung bestätigen Sie, dass Sie der Verarbeitung Ihrer personenbezogener Daten zustimmen.

Organisatoren
Union of Cities The Hansa
Auf dieser Seite werden Cookies verwendet. Cookies erlauben dir eine sichere Benutzung der Seite und geben uns die Möglichkeit, Besucherzahlen zu analysieren und die Performance zu verbessern.